Unser Himmel ist ihre Hölle

Sehr geehrte Frau Zimmermann,

heute sah ich mir ein Video von Ihnen an, in welchem Sie das Thema Gott ansprachen und dann auch auf die Frage kamen, warum Gott vieles zulässt, was wir nicht nachvollziehen können. Das ist für mich Anlass, Ihnen nachfolgend meine Gedanken zu diesem Thema mitzuteilen.

Zunächst zu mir: Ich bin in der DDR aufgewachsen und Jahrgang 1961. Ich habe noch zwei ältere Schwestern, die beide im Rollstuhl sitzen, weil sie an einer Muskelerkrankung leiden.

Meine Eltern hatten sich kirchlich trauen lassen und meine beiden Schwestern besuchten zunächst noch die Christenlehre. Weil sie aber in der Schule von den Lehrern damit aufgezogen wurden, wollten sie schließlich nicht mehr dorthin gehen. Besonders eine Lehrerin schikanierte meine Schwester Gesine und stellte sie vor der Klasse bloß. So forderte sie meine Schwester auf, zu erklären, warum ihr „lieber Gott“ dieses oder jenes zugelassen habe. Immer mit dem Nachsatz: „Du glaubst doch an deinen lieben Gott?, dann erkläre uns das mal.“

Klar, dass ein kleines Mädchen damit überfordert war. Heute würde meine Schwester ihr sicherlich antworten können, denn an Gott glauben wir immer noch. Nur haben Gott und die Kirche nicht viel gemein. Wie heißt es so schön: Die Kirche braucht Gott, aber Gott braucht die Kirche nicht.

Mich haben meine Eltern daraufhin gar nicht erst in die Christenlehre geschickt, um mir den Ärger in der Schule zu ersparen.

Mein Vater wurde auf Arbeit als Kollege sehr geschätzt und darüber hinaus war er einer der besten Lehrmeister seines Betriebes. Dennoch bekamen die anderen Kollegen mehr Geld als er und mehr Beförderungen. Der Grund? Mein Vater weigerte sich, in die Partei einzutreten. Als Lehrmeister sei das seine Pflicht, sagte man ihm. Aber er blieb eisern. 13 Mal hat man ihn zum Gespräch „eingeladen“ und 13. Mal hat mein Vater gesagt, dass sich das nicht mit seinem christlichen Glauben vereinbaren lässt. Die Konsequenzen daraus trug er ohne Klage. Man muss sich schließlich im Spiegel noch in die Augen sehen können, meinte er.

Mein Verhältnis zu meinem Vater war nicht besonders gut, aber für seine Haltung diesbezüglich habe ich ihn stets respektiert.

Ich wurde, wie meine beiden Schwestern, getauft. Ansonsten hatte ich nicht viel mit der Kirche zu tun, aber ich habe immer an Gott geglaubt.

Mit den kirchlichen Schriften kam ich nicht klar. Mehrmals begann ich, im alten und neuen Testament zu lesen, aber es gelang mir nicht, verschiedene Dinge darin nachzuvollziehen. Schon als Kind stellte ich mir die Frage: Wenn Gott wirklich so liebevoll ist und so großherzig und den Menschen so lieb hat, warum will er ihn dann immer wieder prüfen? Warum will er, dass der Mensch ihm seine Liebe beweist?

Nehmen wir doch mal eine Mutter. Sie liebt ihr Kind. Aber was würden wir von ihr denken, wenn wir erfahren würden, dass sie von ihrem Kind verlangt, dass es ihr seine Liebe beweisen soll? Was würden wir über sie denken, wenn wir hören würden, dass sie dem Kind aufträgt, seinen Hamster oder das Meerschweinchen zu töten, um ihr seine grenzenlose Liebe zu beweisen?

Auch wenn sie letztendlich eingreift und dem Kind, gerade als es das Tier töten will, sagt: Du musst das nicht tun, ich wollte nur wissen, ob du mich wirklich so sehr liebst, wie du sagst. Letztendlich würden wir über diese Mutter nicht gut denken. Was ist das für eine Mutter, die so etwas von ihrem Kind verlangt? In welche Gewissensnot bringt sie ihr Kind damit?

Im Alten Testament befiehlt Gott Abraham, seinen Sohn Isaak zu opfern. An der Opferstätte hält ein Engel Abraham jedoch im letzten Moment davon ab, seinen Sohn zu töten. Daraufhin wird Abraham für seine Gottesfurcht belohnt, da er bereit war, dieses große Opfer zu bringen (Wikipedia).

Mir stellt sich hier, nebenbei bemerkt, die Frage, was in Isaak wohl vorging? Sein Vater war bereit, ihn zu töten, weil er Gott mehr liebte als seinen eigenen Sohn? Wie würden wir uns an Isaaks Stelle verhalten? Also ich hätte ein Problem damit und würde meinem Vater fortan aus dem Wege gehen.

Nein, so ist Gott nicht. Er ist gütig. Er verlangt keine Opfer. Ich begann, an der Kirche und ihren Schriften zu zweifeln, nicht aber an Gott.

Die Kriege, die im Namen Gottes geführt wurden, die Menschen, die in seinem Namen hingerichtet oder verbrannt wurden und man denke nur mal an die Skandale der letzten Jahre (missbrauchte Kinder). Nein, das hat alles nichts mit Gott zu tun. Ich schaue mir Kirchen gern an. Es sind wundervolle Bauwerke, aber man sollte nicht vergessen, welches Unrecht von dort oftmals ausging. Dennoch sind sie Teil unserer Geschichte und gehören zu uns.

In meiner Firma arbeitete ich später mit einer Kollegin zusammen, die nicht gläubig war. Ähnlich, wie die Lehrerin damals bei meiner Schwester, zog sie mich immer mit meinem Glauben auf.

Sobald ein Flugzeug abstürzte, ein Unfall auf der Straße stattfand oder irgendwo auf der Welt wieder ein Krieg tobte, fragte sie mich: „Warum lässt das dein Gott zu?“

Und ich fragte sie zurück:

„Hat denn Gott das Flugzeug zum Himmel geschickt? Hat er es abstürzen lassen? Hat er die Autos zusammenstoßen lassen und den Krieg angezettelt?“

An den meisten Katastrophen auf dieser Welt ist der Mensch selbst schuld. Und nur der Mensch. Selbst, wenn bei Naturkatastrophen viele Menschen sterben, ist es meist so, dass der Mensch an dem Ausmaß der Katastrophe zumindest mit Schuld trägt.

Er rodet Wälder, um neue Bauflächen zu gewinnen oder weil er das Holz braucht, er begradigt den Verlauf der Flüsse und bebaut das Ufer, er baut Hotels direkt ans Meer, er holt Tiere aus anderen Kontinenten ins Land und wird ihrer Vermehrung und dem Schaden, der dadurch entsteht, nicht mehr Herr (siehe asiatische Marienkäfer, Waschbärenplage usw.).

Er siedelt Tiere in Gegenden wieder an, wo es sie nicht mehr gab und das war durchaus gut so. Nun, wo sie wieder da sind, gibt es viel Ärger und Unmut in diesen Gegenden und wer muss es ausbaden? Die Tiere! Die Schafe, Pferde und anderen Tiere, die dem Wolf zum Opfer fallen, die Wölfe selbst, die überfahren oder geschossen werden, der Bär Bruno, der abgeschossen wird, weil er mal ein bisschen auf Wanderschaft ging. Warum mischt der Mensch sich überall ein, ohne die Folgen zu bedenken?

Schauen wir uns nur die Waschbären- und Wildschweinplage in manchen Teilen Deutschlands an. Wer ist schuld? Gott? Nein, der Mensch. Und die Menschen füttern die Wildschweine dort noch, so dass diese Tiere jede Scheu verlieren und durch die Straßen laufen und Gärten verwüsten. Dafür können doch diese Tiere nichts?

Und wer wirft die ganzen Plastabfälle ins Meer? Wer kippt Erdöl ins Meer? Wer ist schuld daran, dass jährlich immer wieder viele Wale stranden und verenden? Gott? Wohl kaum.

Aber Gott soll immer alles wieder in Ordnung bringen. Und würde er das tatsächlich immer tun, würden die Menschen noch mehr Unheil anrichten, denn sie könnten sich ja darauf verlassen, dass Gott das schon für sie wieder in Ordnung bringt, falls es schief geht. Man sieht ja oft genug im realen Leben, was daraus wird, wenn die Eltern stets alles für ihre Kinder gerade biegen. Das fängt damit an, dass sie ihre Kinder bis vor die Schultür fahren. Am liebsten würden sie noch bis ins Klassenzimmer fahren. Bekommt das Kind eine schlechte Note, wird dem Lehrer mit dem Anwalt gedroht. Spielt das Kind draußen mit anderen Kindern und gibt’s dabei mal eine Schramme, darf es nicht mehr mit diesen Kindern spielen. Verursacht das Kind selbst bei anderen Kindern eine Schramme, wird das mit Geld reguliert. So geht das immer weiter. Wem nützt das? Was lernt das Kind daraus? Am Ende haben wir einen jungen Erwachsenen, der uns in drei Sprachen erklären kann, was er alles nicht kann und der nicht einmal die Verantwortung für eine Topfpflanze übernehmen kann.

Wenn ich Gott wäre, hätte ich schon längst die Schnau…. voll vom Menschen, der unendlich dumm, überheblich, undankbar und unbelehrbar ist. Das Experiment „Fischerdorf“, welches Gott vor über 2000 Jahren startete, ist gescheitert an der Dummheit der Menschen und an der unermesslichen Gier des Menschen, alles besitzen zu wollen und was er nicht besitzen kann, zu zerstören. Er kann einfach nicht in Frieden leben.

Wann hast du schon mal „Danke“ zu Gott gesagt, wenn dir alles gelungen ist, wenn ein Tag mal so richtig schön war?, fragte ich meine Kollegin? Ach ja, ich vergaß, du glaubst ja nicht an Gott. Da muss man sich also auch nicht bedanken, wenn alles gut geht. Aber wenn etwas schief geht, da soll der nicht vorhandene Gott plötzlich helfend eingreifen und alles wieder in Ordnung bringen, fuhr ich fort.

Meine Kollegin sagte daraufhin nichts mehr.

Ich kenne auch nicht Gottes Plan und ich weiß auch nicht, wie Gott aussieht und wo Gott ist. Vielleicht kann er jede Gestalt annehmen. Ich habe da mal eine Geschichte gelesen (Margaret Atwood: unser Kater kommt in den Himmel), die ich recht gut fand. Darin kam der Kater in den Himmel und Gott war eine gigantische Großkatze. Der Kater hatte schon immer vermutet, dass Gott eine Katze sei, aber Gott sagte ihm, dass er jedem so erscheine, wie der sich Gott eben vorstelle. Für dich bin ich eine Katze, sagte Gott zum Kater.

Der Kater sah ein Gewimmel von kleinen Wesen mit Flügeln zu seinen Tatzen und in der Luft und fragte Gott, ob das Mäuse seien und ob er die fangen dürfe. Gott antwortete daraufhin, das seinen die Seelen derer, die auf Erden in ihrem Leben Böses getan hätten und ja, der Kater dürfe sie jagen und fangen. Der Kater antwortete verwundert: Was machen die hier im Himmel? Und Gott antwortete: Unser Himmel ist ihre Hölle.

In diesem Sinne verabschiede ich mich und wünsche Ihnen alles Gute. Ich sehe mir jedes Ihrer Videos an und finde, Sie leisten eine wunderbare Arbeit. Vielen Dank dafür.

Mit freundlichen Grüßen

Ein Kommentar über “Unser Himmel ist ihre Hölle

  • Tastaturschlumpf

    Ja, Gott ist Schöpfer und kein Puppenspieler !!
    Und dass die (meisten) Menschen sehr destruktiv sind und bleiben werden, hat Gott durch seinen Sohn Jesus Christus sagen und erklären lassen (seine sog. Endzeitreden in den Evangelien), durch den Jünger Jesu, den Johannes, auf der Insel Patmos (Buch der Offenbarung) und durch Jesu Knecht, den Paulus, in div. seinen Briefen (Römerbrief Kapitel 1, 2. Thessalonicher…) und durch Petrus etc. voraussagen lassen.
    Es ist dies alles, was der E-Mailschreiber oben erwähnt, in der Bibel vorher gesagt – und noch div. anderes !
    In dieser Welt hier haben wir es halt mit diesem gefallenen Engel Gottes, Luzifer, zu tun, dem Gott diese irdische Welt als Machthaber überlassen musste (wegen dieser sog. Ursünde (spezielles Extrathema !)).
    Und nur mit Hilfe des Sohnes Gottes können wir die Macht Luzifers, und damit diese Welt hier, überwinden.
    Überwinden heißt aber nicht, finanzielle Sicherheit und Anerkennung bekommen, sondern trotz Ermangelung dieser Dinge, trotzdem in Gottes himmlisches Reich kommen – wo Luzifer nicht mehr hin kann. Denn DER hat den Himmel bereits längst verspielt, weswegen er uns Menschen hier in dieser irdischen Welt entweder das Leben zur Hölle machen will, oder von Gottes Gesetzen weg zu verführen versucht.

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